Er-sie-es. Von der Gendermanie

 

Eine geschlechtsneutrale Sprache?

 

„Deitsche Sprache – schwere Sprache!“ So das Stöhnen von Menschen fremder Zunge. Aber Hand aufs Herz: Wir haben alle unsere Leiden mit der lieben Sprache. Und heutzutage macht man/frau es sich unnötig schwer. Die Sprache soll geschlechtergerecht werden! Eine wahre Manie ist mit der sogenannten Geschlechtsneutralität ausgebrochen. Nun gut. Fangen wir damit an.

Das Italienische kennt nur männliches und weibliches Geschlecht, kein sächliches. Das Englische hat nur einen Artikel: „the“ – the man, the woman, the thing, the man. Nur wir im Deutschen haben zusätzlich noch ein sächliches Geschlecht, als ob eine Sache überhaupt ein Geschlecht hätte!

Da haben wir es schon: „Die Sache“ ist nicht sächlich, sondern weiblich. Und „die Sprache“ – Faust würde sagen: „hier stock ich schon“ – die Sprache ist ein Weib. Es wäre auch nur allzu komisch, würde man von einer Vater-sprache reden. Oder haben die Männer nichts zu sagen? Und ich stocke schon wieder: das Weib ist grammatikalisch sächlich, tatsächlich aber weiblich.

Und dann: „der Mensch“! Wo bleibt das weibliche Gegenstück zum „männlichen“ Menschen? „Die Menschin“? Wie abscheulich! Wir haben uns in der Mundart vom „Mensch“, „das Mensch“ im Sinn von Magd oder Mädchen, verabschiedet. Es war seiner Natur nach doch weiblich. Gott sei Dank, dass die Mehrzahl des Wortes Mensch „die Menschen“ lautet. Zufällig ist der Artikel der ersten Person Mehrzahl „die“ und lautet in der männlichen und weiblichen Deklination gleich. In der grammatikalischen Mehrzahl machen die Artikel keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, obwohl der Artikel seinerseits männlich ist.

Nun sagen Sie selbst: Ist die deutsche Sprache nicht schwierig und kompliziert? Oder sind es wir moderne Zeitgenossen, die ihre eigene Sprache kompliziert machen?

Unsere deutsche Sprache soll eine inklusive Sprache werden Damit meint man, dass Männer und Frauen gleichermaßen „eingeschlossen“ werden sollen. Weder das eine noch das andere Geschlecht soll – wie hässlich ausgedrückt! – „ausgegrenzt“ werden. Da haben wir ein neues Problem: Was ist mit den Kindern? „Das Kind“ ist doch sächlich, auch wenn es männliche oder weibliche ist. Gebrauchen wir für die Kinder andere Bezeichnungen, so geht es noch an, wenn wir sagen: „der Bub“ oder „der Knabe“. Wenn wir aber sagen: „das Mädchen“, ist dieses grammatikalisch zwar sächlich, dem natürlichen Geschlecht nach jedoch weiblich. Würde man aber dafür „die Jungfrau“ sagen im Sinn von einer jungen Frau, gäbe es nur ein mitleidiges Lächeln oder Grinsen, obwohl die Bezeichnung dem natürlichen Geschlecht entspricht.

Das inklusive Reden – von Sprache wage ich nicht zu sprechen – macht unsere Sprache kompliziert. „Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Liebe Studentinnen und Studenten! Liebe Doktorandinnen und Doktoranden! Es ist mir eine hohe Auszeichnung, eine Reihe Jungakademikerinnen und Jungakademiker graduieren zu können.“ Ja, ja, vor lauter N und Innen kommt der Herr Rektor oder die Frau Rektorin kaum wirklich dazu, etwas zu sagen, was des Sagens wert ist. Oder es sind die armen Zuhörerinnen und Zuhörer bereits so erschöpft, dass sie geistig längst abgeschaltet haben, ehe das wirklich Sagenswerte kommt. So ist es im Leben: Vor lauter Achtsamkeit auf die N und Innen kommt das Wesentliche leicht zu kurz.

Auch der liebe Gott hat es schwer. Er ist weder Mann noch Frau, sondern eben Gott. Aber wie soll ich ihn anreden: „Lieber Gott“ oder „Liebe Göttin“? Oder soll ich ihn zu einer Sache machen und rufen: „Liebes Göttliches Wesen“? Wie kann ich armes Geschöpf Gott zu einer Sache machen? Wo bleibt dann Gott als Person mein Gegenüber, der zu mir spricht und zu dem ich sprechen darf. Auch der Heilige Geist hat es schwer: Was kann er dafür, dass Geist in der deutschen Sprache männlich ist – wie übrigens auch im Lateinischen –, im Hebräischen „ruach“ aber weiblich. Da kann man nur sagen: Du armer, lieber Gott!

Vertraut ist uns die Anrede: „Meine Damen und Herren!“ Um Gottes willen! Herren in einer herrenlosen Gesellschaft lauter Gleichgemachter! Damen, das geht noch an, schließlich ist das Wort nicht ursprünglich deutsch, sondern dem Französischen entlehnt: Madame. Nur peinlich, dass es sich vom lateinischen „domina“ herleitet, entsprechend dem männlichen Gegenstück, und Herrin bedeutet. Es würde sich jedoch komisch anhören, würde man sagen: „Meine Herrinnen und Herren!“ Es geht auch nicht an, zu sagen: „Meine Frauen und Männer!“ Das kann doch kein Redner und auch keine Rednerin von sich behaupten, das wäre Polygamie und dazu noch auch homosexuell. Da müssten alle „Zuhörerinnen und Zuhörer“ aufs tiefste empört sein.

So könnten wir die Kuriositäten in unserer Sprache fortsetzen. Was tut man unserer Sprache an an! Es ist eine offenkundige Vergewaltigung. Wer zieht dabei wen zur Rechenschaft?

Aber wozu sollen wir uns aufregen. So lange es Tatsache ist, dass Frauen Kinder zur Welt bringen, werden aus diesen Frauen oder Männer, die sich wie eh und je voneinander unterschieden, und die wie Adam sagen können: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen“ (Gen 2,19).1 Aber wie lange wird das noch so sein wird?

 

1    Adamah soll sie heißen, denn von Adam (= aus Erde) ist sie genommen.

 

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