Sorge um die Priester

Veröffentlicht am 15. August 2024 um 15:00

Ein Telefongespräch gestern abends. Ein langjähriger, guter Mitarbeiter in der Pfarre klagt: Wie soll das weitergehen in der Kirche.

Er stellt fest, dass sich Enttäuschung unter den Gläubigen breit macht. Die Struktur der Pfarreinteilung wird nicht verstanden. Vieles bricht auseinander.

Die Zahl der Priester, die im Einsatz sind, wird immer kleiner. Auf den wenigen ruht eine ungeheure Last. Zurückblickend auf meine Tätigkeit als Pfarrer muss ich sagen: Ich weiß nicht, ob ich das ertragen hätte. Wie soll ein einziger Priester Seelsorger für bisher 15 Gemeinden sein? Ein Überblick ist gar nicht möglich. Wenn auch die "Verwaltung" von anderen getragen wird: Wie kann der Priester eingehen auf die Sorgen und Nöte der Menschen, an die er kaum noch herankommt. Wie soll er aufrichten, trösten, ermutigen, wenn ihm selbst die Kraft fehlt und er erschöpft ist und kaum Zeit hat zu beten und  das Wort Gottes zu studieren. Kein Wunder, wenn der eine Priester poltert und schreit oder ein anderer sich die Ohren zuhält, wenn er zuhören sollte. Darunter leidet die Tiefe und Qualität der Gottesdienste, die den Gläubigen nicht mehr geben können, was sie brauchen.

Ein Ausweg zeichnet sich nicht ab. Daran würde auch eine Aufhebung des Zölibates nichts ändern. Wie soll es weitergehen? Ich weiß es nicht.

Ich erinnere mich an das Gespräch mit einem alten Spiritual, der mir 1970 angesichts meiner Tätigkeit in der Liturgischen Kommission sagte: "Mach weiter so! Du bist auf dem rechten Weg. Aber ich sage dir: Es wird in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren in der Kirche noch so viel Blödsinn geschehen, bis der Heilige Geist wirken kann!" Als ich darauf sagte: "Aber Monsignore, glauben Sie, dass das so lange dauert?", meinte er: "Wer weiß, ob das nicht noch viel länger dauert! Wer weiß, ob du noch das Ende erlebst, bis der Geist Gottes wirken kann!" - Und jetzt schreiben wir 2024. ...

Vielleicht hilft Geduld trotz aller Unsicherheit und vielem Unverständnis. Eines sollten wir tun: Wir legen in Gottes Hand, wo wir den Weg nicht finden. Beten wir für die Priester, die betroffen sind, beten wir um Priester, die trotz der verworrenen Lage unserer Kirche dieser Berufung folgen. Beten wir, dass der Geist Gottes uns die rechten Wege finden lässt und und trotz allem nicht vergessen lässt: Die Kirche hat eine frohe Botschaft zu verkünden. Auf sie wollen wir hören.

 

Erschöpfter, trauriger Priester
Heilig-Geist-Fenster in St. Peter im Vatikan, Rom

Veni, Sancte Spiritus ...

Komm, Heiliger Geist!

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